Her mit Führerschein! Wer keinen hat? Pech gehabt!

Montag, 30.05.2022 | CC-BY-ND Marc Stephan - Wer nicht lesen will, muss hören: ⇒ AUDIO-PODCAST zum Text

Warum der Tausch Führerschein gegen ÖPNV-Ticket ungerecht und altersdiskriminierend ist.


Führerschein gegen Freifahrten im ÖPNV, das hört man immer häufiger von Landkreisen, die ihre älteren Autofahrer irgendwie von der Straße holen möchten. Nun halte ich das grundsätzlich für sehr löblich, wenn Senioren kostenlos die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen dürfen, warum nicht? Aber warum nur die, die einen Führerschein haben? Warum die anderen nicht? Gerade in der gemeinten Generation war das schon ab und an mal üblich, dass nur der Mann den Führerschein gemacht hat, die Ehefrau war die ewige Beifahrerin. So, der Ehemann darf jetzt kostenlos ÖPNV fahren, die Frau guckt in die Röhre. Oder wenn jemand seinen Führerschein schon früher freiwillig abgegeben hat oder aus gesundheitlichen Gründen abgegeben musste? Der kommt dann nicht in den Genuss, kostenlos den ÖPNV nutzen zu können?

Andererseits könnte auch ich als Noch-Nicht-Rentner meinen Führerschein doch auch abgeben, warum bekomme ich dann kein Blanko-Ticket für den ÖPNV?

Neide ich den älteren Herrschaften ihr Ticket? Nein, wie schon gesagt, sollte jeder Rentner kostenlos den ÖPNV nutzen dürfen, überall, deutschlandweit und egal, ob er einen Führerschein hat oder ihn abgibt. Nein: JEDER!

Außerdem ist das eine Altersdiskriminierung; denn wie ich oben schon sagte, ich darf meinen Führerschein nicht gegen ein Ticket tauschen, mit der Begründung, ich sei ja noch nicht so eine große Gefährdung. Erstens ist nicht jeder Rentner eine Gefährdung, statistisch ja, in der Praxis ist es aber immer eine Einzelfallprüfung. Die fehlt hier, Rentnern wird einfach unterstellt, sie wären allein aufgrund ihres Alters eine Gefahr für andere.

Dabei gibt es auch sehr viele junge Autofahrer, die nicht auf die Straße gehören. Deshalb finde ich die Einzelfallprüfung sehr schön. Wie man das umsetzen will? Das wäre relativ einfach: Der Führerschein gilt zukünftig schlicht nicht mehr lebenslang, sondern nur noch für sieben Jahre. Danach muss jeder eine neue »kleine Fahrprüfung« ablegen. Nicht teuer, kein großer Aufriss aber ein Prüfer dreht noch einmal eine Runde mit jedem Kraftfahrer, dessen Führerschein abgelaufen ist. Das wäre gerecht und würde Gefährder jeden Alters von der Straße holen; ohne Alterdiskriminierung.

Rentner dürften natürlich trotzdem kostenlos ÖPNV fahren ...